US-GAAP – Rechnungslegung nach amerikanischen Standards
Was ist US-GAAP?
Die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) sind US-amerikanische Rechnungslegungsvorschriften und allgemein anerkannte Verfahrensweisen der Rechnungslegung. Sie wurden zur besseren Information für potenzielle Kapitalgeber entwickelt und sind neben den IFRS einer der international anerkannten Rechnungslegungsstandards. Zahlreiche deutsche Unternehmen bilanzieren daneben häufig auch noch nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB).
US-GAAP ist damit der maßgebliche Standard für die Aktienanalyse des US-Aktienmarkts – also für Aktien aus dem S&P 500, Nasdaq oder Dow Jones.
Geschichte
Entwickelt wurden die US-GAAP vom Governmental Accounting Standards Board (GASB), einem privatrechtlich organisierten Rechnungslegungsgremium für die Rechnungslegung der Bundesstaaten sowie der Städte und Gemeinden in den USA. Historisch sind die US-GAAP des FASB aus zahlreichen Regelungen von Einzelfällen entstanden, die in der Accounting Standards Codification systematisch erfasst wurden.
Aufbau des Jahresabschlusses nach US-GAAP
Ein Jahresabschluss nach US-GAAP besteht aus fünf Teilen:
- Statement of Financial Position → Bilanz
- Statement of Earnings → Gewinn- und Verlustrechnung
- Statement of Cash Flow → Kapitalflussrechnung
- Statement of Investments and Distribution to Owners → Eigenkapitalentwicklungsübersicht
- Notes → Anhang und ggf. ausführlicher Lagebericht
US-GAAP vs. IFRS
Im Unterschied zu den IFRS sind die Regelungen des US-GAAP weniger prinzipienbasiert und regeln Sachverhalte sehr detailliert und genau. Beide Standards verfolgen das Ziel transparenter, vergleichbarer Abschlüsse, unterscheiden sich aber in Details, die für Kennzahlen relevant sind:
| Aspekt | IFRS | US-GAAP |
|---|---|---|
| Ansatz | Prinzipienbasiert | Regelbasiert |
| Inventurbewertung | FIFO oder Durchschnitt | Auch LIFO erlaubt |
| Entwicklungskosten | Aktivierbar | Sofortaufwand |
| Cashflow-Darstellung | Flexibler | Strenger geregelt |
| Vorsichtsprinzip | Geringere Bedeutung | Geringere Bedeutung als im HGB |
Diskussion
Das Ziel des Jahresabschlusses nach US-GAAP ist stets die Information externer Investoren. Durch das Prinzip der „fair presentation" soll die wirtschaftliche Lage und das Erfolgspotenzial eines Unternehmens so gut wie möglich beschrieben werden.
Anders als nach HGB besitzt der US-GAAP-Abschluss keine Ausschüttungsbemessungsfunktion. Es werden keine Steuerlast oder Dividenden aus dem Abschluss abgeleitet – in den USA besteht eine klare Trennung zwischen handelsrechtlichem und steuerlichem Jahresabschluss. Die Höhe der Ausschüttungen wird ausschließlich durch das Board of Directors festgelegt.
Generell ist festzustellen, dass die Bedeutung des US-GAAP im Verhältnis zu den IFRS in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat. Insbesondere die zunehmende Verpflichtung europäischer Unternehmen zur Anwendung der IFRS in Konzernabschlüssen hat hier zu einer Verschiebung geführt. Die G20-Nationen streben seit Langem eine Vereinheitlichung von US-GAAP und IFRS an.
Relevanz für die Aktienanalyse
Für den internationalen Vergleich von Aktien ist es wichtig zu wissen, welchem Standard ein Unternehmen folgt. Die meisten DAX-Unternehmen berichten nach IFRS, während US-Unternehmen US-GAAP verwenden. Kennzahlen wie KGV, EKQ oder Free Cashflow können sich dadurch im direkten Vergleich leicht unterscheiden.
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