IFRS – International Financial Reporting Standards
Was sind IFRS?
IFRS (International Financial Reporting Standards) sind internationale Rechnungslegungsstandards, die die Erstellung von Jahresabschlüssen weltweit vereinheitlichen sollen. Sie werden vom IASB (International Accounting Standards Board) herausgegeben und sind in der EU für börsennotierte Unternehmen verpflichtend.
Entstehung / Geschichte
Im März 2001 wurde in Delaware (USA) die International Financial Reporting Standards Foundation gegründet.
Aufbau der IFRS
Die IFRS werden in englischer Sprache erstellt und veröffentlicht, jedoch auch in andere Sprachen übersetzt. Sie stellen vereinfacht gesagt eine Sammlung von Regelungen für die Rechnungslegung von Wirtschaftsunternehmen dar.
Wichtig ist die einheitliche Auslegung dieser Standards. Hierzu gibt es seit 1997 das SIC und später das IFRIC. Diese Gremien sollen Probleme lösen, die bei der Anwendung der IFRS auftreten.
Ziele der IFRS
Jahresabschlüsse nach IFRS sollen in erster Linie Aufschluss über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens geben. Hier liegt ein wichtiger Unterschied zum deutschen HGB, das zunächst ausdrücklich auf den Gläubigerschutz abstellt.
Die IFRS-Rechnungslegung folgt dem obersten Grundsatz der Periodenabgrenzung und des Fortführungsprinzips. Jeder Abschluss muss zudem den Anforderungen nach Entscheidungsrelevanz, Wesentlichkeit, Verständlichkeit und Vergleichbarkeit entsprechen.
Weitere Ziele:
- Vergleichbarkeit der Abschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen weltweit
- Aufbau eines integrierten, effizienten und reibungslos funktionierenden Kapitalmarkts
- Verbesserter Schutz der Anleger
- Stärkung des Vertrauens in die Finanzmärkte und den freien Kapitalverkehr
- Verbindliche Regelungen für grenzüberschreitende Geschäfte und Börsenzulassungen weltweit
Wichtige IFRS-Standards
| IFRS 9 | Finanzinstrumente |
| IFRS 15 | Umsatzrealisierung |
| IFRS 16 | Leasingverträge |
| IAS 1 | Darstellung des Abschlusses |
| IAS 7 | Kapitalflussrechnung |
| IAS 33 | Ergebnis je Aktie (EPS) |
| IAS 36 | Wertminderung von Vermögenswerten |
IFRS vs. US-GAAP vs. HGB
Während IFRS primär von europäischen und internationalen Unternehmen genutzt wird, verwenden US-amerikanische Unternehmen US-GAAP. Deutsche Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet sind, können das HGB verwenden. Für den internationalen Aktienvergleich ist das Verständnis dieser Unterschiede wichtig.
Im Unterschied zum HGB erfolgt die Bewertung nach IFRS zu Marktwerten statt zu Anschaffungskosten. Damit wird insbesondere den Informationsbedürfnissen von Kapitalmarktinvestoren entsprochen. Stille Reserven werden nach IFRS zum großen Teil vermieden – ihre ergebnisverbessernde Auflösung ist damit weitgehend ausgeschlossen.
Diskussion
Oftmals wird argumentiert, dass die Anwendung der IFRS Kreditverhandlungen von Unternehmen mit Banken vereinfacht, da Kennzahlen wie Liquidität, Eigenkapitalquote und Lagerumschlag transparenter dargestellt werden.
Zu bedenken ist jedoch, dass grundsätzlich jedes Land selbst entscheidet, ob und wie weit es die IFRS-Regelungen übernimmt und für welche Unternehmen sie gelten sollen. In der EU sind alle Unternehmen, deren Wertpapiere an einem geregelten Markt zugelassen sind, zur IFRS-Rechnungslegung verpflichtet. In Deutschland gilt dies zusätzlich für Unternehmen im Börsenzulassungsprozess.
Relevanz für die Aktienanalyse
Da Kennzahlen wie KGV, KBV oder EKQ direkt auf Bilanzdaten basieren, können unterschiedliche Rechnungslegungsstandards die Kennzahlen beeinflussen. Finanzoo normalisiert Daten aus verschiedenen Quellen für eine konsistente Analyse.