Aktiensplit – Was passiert bei einer Aktienteilung?
Was ist ein Aktiensplit?
Ein Aktiensplit (engl. forward stock split) ist die Umwandlung von existierenden Aktien in eine größere Anzahl neuer Aktien mit einem geringeren Nominalwert. Dies entspricht transaktionstechnisch dem Gegenteil einer Aktienzusammenlegung (engl. reverse stock split).
Beispiel: 2-für-1-Split
Nach Split: 2 Aktien × 100 € = 200 € Depotwert ✓
Wo wird ein Aktiensplit beschlossen?
Ein Aktiensplit wird in der Hauptversammlung beschlossen und ist rein psychologischer Natur, da sich an den Beteiligungsverhältnissen nichts ändert. Die einzelne Aktie verbilligt sich im Börsenpreis, ohne dass sich das Eigenkapital der Gesellschaft oder der Wert des Aktienbestands eines einzelnen Aktionärs ändert.
Wer muss einem Aktiensplit zustimmen?
Ein Aktiensplit kann nie ohne Zustimmung der Aktionäre durchgeführt werden und muss als separater Tagesordnungspunkt auf der Hauptversammlung besprochen und verabschiedet werden. Hierzu ist die einfache Mehrheit ausreichend.
Warum führen Unternehmen Splits durch?
- Zugänglichkeit: Hohe Kurse schrecken Kleinanleger ab; ein Split macht die Aktie erschwinglicher.
- Liquidität: Mehr Aktien im Umlauf steigern das Handelsvolumen.
- Psychologischer Effekt: Niedrigere Kurse wirken optisch „günstiger".
Folgen eines Aktiensplits
In den meisten Fällen würde ein Aktiensplit, ähnlich wie bei einer Dividendenauszahlung, zu einem Kurseinbruch führen. Bei einem 1:2-Split würden sich Nominalwert und Kurswert plötzlich halbieren, was Anleger irrtümlich als 50%-Rückgang interpretieren könnten. Daher werden die historischen Kurse in den meisten Programmen automatisch angepasst, sodass der Aktiensplit im Kursverlauf nicht sofort erkennbar ist.
Bei der Analyse historischer Kursdaten – insbesondere Kurspreise, Handelsvolumen und Handelsumsätze – ist daher stets erhöhte Vorsicht geboten, um bereinigte Werte nicht versehentlich mit Originaldaten zu vermischen.
Psychologische Wirkung
In vielen Fällen werden Aktiensplits als Stärke wahrgenommen, da der Börsenkurs des Unternehmens in der Vergangenheit stark gestiegen ist und der Split die Aktie zumindest nominal billiger erscheinen lässt. Die Aktie wird auf diese Weise leichter handelbar und für breitere Anlegerschichten attraktiver – was mittel- bis langfristig dem Aktienkurs helfen kann.
Stop-Loss-Orders und Aktiensplit
Durch den im Zuge des Aktiensplits fallenden Kurs können in manchen Fällen Stop-Loss-Orders ausgelöst werden. Um einen solchen Kurssturz zu verhindern, werden Stop-Loss-Orders bei Aktiensplits in der Regel automatisch gelöscht und außer Kraft gesetzt. Genaueres hierzu ist in den AGB der jeweiligen Bank bzw. des Brokers nachzulesen.
Reverse Split (Aktien-Zusammenlegung)
Das Gegenteil des Splits ist der Reverse Split: Mehrere Aktien werden zu einer zusammengelegt, der Kurs steigt proportional. Dies wird häufig bei stark gefallenen Kursen eingesetzt, um das Image zu verbessern oder Mindestnotierungsanforderungen zu erfüllen.
Abgeltungssteuer bei Aktiensplit
Bei einfachen Aktiensplits ergeben sich steuerlich keinerlei Änderungen. Solange weder ISIN noch WKN geändert werden, entsteht laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz keine zusätzliche Steuerlast.
Ein bekanntes Gegenbeispiel: Google brachte 2014 im Rahmen seines Aktiensplits neue C-Class-Shares mit neuer WKN und ISIN auf den Markt. Finanzämter in Deutschland sahen darin eine Sachdividende – für Google-Aktionäre in Deutschland wurde daher Abgeltungssteuer fällig.
Wirkung auf Kennzahlen
Da sich die Unternehmenssubstanz nicht ändert, bleiben Gesamtwert-Kennzahlen (Marktkapitalisierung, EV) unverändert. Kennzahlen je Aktie (EPS, Dividende, Buchwert) ändern sich jedoch proportional. Finanzoo bereinigt historische Kurse und Kennzahlen um Splits, damit Vergleiche korrekt bleiben.
| Apple | 4-für-1-Split (2020), 7-für-1-Split (2014) |
| Tesla | 3-für-1-Split (2022), 5-für-1-Split (2020) |
| Amazon | 20-für-1-Split (2022) |
| Alphabet (Google) | 20-für-1-Split (2022) |
Split-Bereinigung in Finanzoo
Finanzoo bereinigt alle historischen Kursdaten rückwirkend um Splits. Dadurch sind Kursverläufe und Kennzahlen historisch korrekt und vergleichbar – im Preischart wird stets der split-adjustierte Kurs dargestellt.